Holzbau und Zukunftswald im Fokus

Welche Chancen bietet Holz für das Bauen der Zukunft? Bei einem Informationsabend in Naturns standen die nachhaltige Nutzung des Rohstoffs Holz, regionale Wertschöpfung und klimafitte Wälder im Mittelpunkt. Fachleute aus Forstwirtschaft, Holzbau und Planung zeigten auf, wie Wald, Wirtschaft und Bauwesen miteinander verbunden sind.

Veröffentlichungsdatum:

10.09.2026

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4 Minuten

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Holzbau und Zukunftswald im Fokus

Die Botschaft des Abends war von allen klar: Nachhaltigkeit beginnt nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits im Wald und setzt sich über die Verarbeitung und das Handwerk bis zum fertigen Gebäude fort.

Beschreibung

Informationsabend in Naturns zeigt Chancen des heimischen Rohstoffs Holz – von der Waldbewirtschaftung über regionale Wertschöpfung bis zum nachhaltigen Bauen

Welche Rolle kann Holz für das Bauen der Zukunft spielen? Und wie müssen die heimischen Wälder bewirtschaftet werden, damit sie den Herausforderungen des Klimawandels standhalten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Informationsabend in Naturns im Rahmen der Sensibilisierungskampagne „Vom Baum zum Produkt“ von IDM Südtirol und ProRamus.

Im Mittelpunkt stand die Zirbenholz-Installation „Vom Baum zum Produkt“ am Rathausplatz. Sie machte anschaulich, welchen Weg Holz vom heimischen Wald über Forstwirtschaft, Planung und Handwerk bis zum fertigen Produkt zurücklegen kann. Dabei wurde deutlich: Holz ist nicht nur ein nachwachsender Rohstoff, sondern auch ein wichtiger Bestandteil regionaler Wirtschaftskreisläufe.

Die Bedeutung des Holzsektors für Südtirol ist beträchtlich. Nach Angaben von IDM sind rund 2.900 Betriebe im verarbeitenden Holzgewerbe tätig, etwa 20.000 Menschen beziehen ihr Einkommen aus dem Wald- und Holzsektor. Der Bereich erwirtschaftet jährlich rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz. IDM richtet seine strategische Arbeit unter anderem auf eine ressourceneffiziente Waldbewirtschaftung, die Dekarbonisierung und den Kreislauf von Holz sowie auf Kompetenzentwicklung und Innovation.

„Holz ist für uns nicht nur ein Baustoff, sondern ein Rohstoff, der unmittelbar mit unserer Landschaft, unseren Wäldern und unserer regionalen Wirtschaft verbunden ist“, betonte Bürgermeister Zeno Christanell bei der Begrüßung. „Wenn wir Holz aus unseren Wäldern möglichst regional weiterverarbeiten und beim Bauen einsetzen, bleibt Wertschöpfung in der Region und wir verbinden Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Entwicklung.“

Nach der Begrüßung durch Margit Gamper, Director Business Development bei IDM, und Michael Stauder, Lead Holz Sector bei IDM, informierte Angelika Aichner vom Forstdienst über den Südtiroler Holzbaufonds und aktuelle Fördermöglichkeiten für das Bauen mit Holz.

Herbert Niederfriniger von holzius zeigte anschließend unter dem Titel „Im Kreislauf: Holzbau lokal und zirkulär gedacht“, wie regionale Wertschöpfungsketten funktionieren und welche Chancen eine möglichst lange und kreislauforientierte Nutzung des Rohstoffs bietet.

Architekt Jürgen Wallnöfer stellte in seinem Beitrag „Holz – der Baustoff vor unserer Haustür!“ die Möglichkeiten der Holzbauweise vor. Im Fokus standen dabei Planung, Konstruktion und die Frage, wie heimisches Holz bei modernen Bauprojekten sinnvoll eingesetzt werden kann.

Dass Naturns selbst bereits auf diese Bauweise setzt, unterstrich Bürgermeister Christanell. Erst vor kurzem wurde dank der Fördermittel aus dem Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza (PNRR) im Generationenpark ein neues Gebäude für die Kindertagesstätte und den Kindergarten in Holzbauweise errichtet. Das Projekt wurde nach den Plänen von Architekt Stephan Marx von der Vinschger Firma Lechner umgesetzt und konnte innerhalb von nur neun Monaten fertiggestellt werden.

„Mit dem Gebäude im Generationenpark haben wir gezeigt, dass nachhaltiger Holzbau auch bei öffentlichen Bauvorhaben schnell, funktional und architektonisch anspruchsvoll umgesetzt werden kann“, erklärte Christanell.

Geht es nach dem Bürgermister soll auch bei der geplanten Erweiterung des Seniorenwohnheims auf Holz gesetzt werden. Derzeit wird geprüft, welche Möglichkeiten der Einsatz von Holz – idealerwiese aus den lokalen Wäldern – bietet.

Den Abschluss der Fachbeiträge bildete Georg Pircher vom Forstinspektorat Meran mit seinem Vortrag „Zukunftswald – Welches Holz aus welchen Wäldern?“. Im Mittelpunkt standen die Folgen des Klimawandels für die heimischen Wälder. Stürme, Trockenheit und der zunehmende Befall durch den Borkenkäfer stellen die Waldbestände vor neue Herausforderungen.

Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Wälder widerstandsfähiger und klimafitter gemacht werden können. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Mobilisierung von Holz aus kleineren Waldbesitzungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Wahl geeigneter Baumarten und die Anpassung der Wälder an veränderte klimatische Bedingungen.

„Wir müssen den Wald gleichzeitig schützen und bewirtschaften“, sagte Pircher. „Ein klimafitter Zukunftswald ist die Grundlage dafür, dass auch kommende Generationen den Rohstoff Holz nachhaltig nutzen können. Deshalb ist es wichtig, die gesamte Kette zu betrachten – vom Wald über die Verarbeitung bis zum Einsatz im Bau.“

Auch IDM verfolgt bei der Weiterentwicklung des Holzsektors einen ganzheitlichen Ansatz. Zu den drei strategischen Handlungsfeldern zählen die Waldbewirtschaftung und Ressourceneffizienz, die Dekarbonisierung und der Kreislauf von Holz sowie Holzexzellenz und Kompetenzentwicklung. Ziel ist es, Zukunftschancen zu erkennen, Innovation zu fördern und die lokale Wertschöpfung weiter zu stärken.

Der Informationsabend machte damit deutlich, wie eng Wald, Wirtschaft und Bauwesen miteinander verbunden sind. Wird Holz regional gewonnen, verarbeitet und eingesetzt, können Transportwege verkürzt, regionale Betriebe gestärkt und Wertschöpfungsketten vor Ort gehalten werden.

Beim anschließenden Umtrunk konnten die Teilnehmenden die Themen weiter vertiefen, Erfahrungen austauschen und miteinander ins Gespräch kommen. Die Kampagne „Vom Baum zum Produkt“ zeigte damit eindrucksvoll: Der Weg vom Baum zum nachhaltigen Bauwerk ist nicht nur eine Frage des Materials, sondern eine Chance für Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und die Zukunftsfähigkeit des gesamten Holzsektors.

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Zuletzt aktualisiert: 10.09.2026, 08:22 Uhr

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